Kleinstadtcomedy im Theater begeisterte vor ausverkauftem Haus!

Skur­ril-wit­zig, scho­nungs­los deut­lich und ein­deu­tig-zwei­deu­tig: Über drei Stun­den lang haben sich die Besu­cher der Mep­pe­ner Klein­stadt­co­me­dy von Sven Bens­mann und sei­nen Come­di­ans begeis­tern lassen.

Mis­ter Klein­stadt­co­me­dy“ Sven Bens­mann , 24-jäh­ri­ger Stu­dent aus Osna­brück, fing die Thea­ter­be­su­cher schon aus dem Off ein und ließ nie­man­den mehr wäh­rend der gesam­ten Vor­stel­lung von der Angel. Ihm und sei­nen Büh­nen­kol­le­gen ent­ging nicht die kleins­te Reak­ti­on im Saal. Wer immer im Publi­kum von der Büh­ne aus für die Come­dy-Stars sicht­bar und ent­deck­bar blieb, der wur­de scho­nungs­los per­sön­lich mit hin­ein­ge­zo­gen ins Programm.
Die­ser direk­te Kon­takt zum Zuschau­er zog sich durch den Abend. Die Akteu­re gin­gen direkt in die Men­ge und misch­ten sich in die Bezie­hungs­struk­tu­ren ihrer Gäs­te ein. Bevor sie über­haupt wuss­te, was ihr geschah, stand „Ilo­na“ auf der Büh­ne und wur­de mit einer „Wasch­ma­schi­ne mit Total­scha­den“ als „Erfül­lung ihrer Wün­sche“ kon­fron­tiert. „Pech“ nur, dass sie mit dem Fahr­rad gekom­men war. Beim 30-minü­ti­gen „Warm-up“ misch­te auch die Mep­pe­ne­rin Julia Fram­ke mit – die Regie-Anwei­sun­gen ihres Scripts brav mit zum Bes­ten gebend. (Text und Bild von P. Hei­de­mann, MT).

And­re Kra­mer brach­te Erfah­run­gen aus und sei­ne süf­fi­sant-spitz­fin­di­gen Bemer­kun­gen zu sei­nem Stadt­teil Ham­burg St. Pau­li anschau­lich zu Gehör, führ­te poli­ti­sche Miss­stän­de und gesell­schaft­li­che Brenn­punk­te eben­so scharf­zün­gig und anzüg­lich ad absur­dum wie diver­se Kiez-Fan­ta­sien. Aber auch mensch­li­che Ver­hal­tens­wei­sen nahm er unter die Lupe – so eig­ne sich der Fried­hof durch­aus als Sin­gle-Bör­se, und im gel­ben Polo­shirt bei Ikea fach­fremd Leu­te zu bera­ten, sei ein ech­ter Fun-Faktor.
Sven Bens­manns gesun­ge­ne Zwi­schen­mo­de­ra­ti­on als „Objekt­o­p­hi­ler“ ließ die Nut­zung (s)einer Gitar­re wie auch (s)eines „Com­ing-Auto“ in völ­lig ande­rem Licht erschei­nen und lan­de­te beim Publi­kum als ech­ter Brüller.

Als „Ara­ber“ sorg­te augen­zwin­kernd der aus Ems­det­ten kom­men­de Amjad für „Bom­ben­stim­mung“. Mit blit­zen­den Augen und Spaß am dar­stel­le­ri­schen Spiel ver­mit­tel­te er „prok­to­lo­gi­sche Erfah­run­gen“. Mit sei­ner paläs­ti­nen­si­schen Abstam­mung spie­lend, pieks­te er scho­nungs­los mit­ten hin­ein in alle Vor­ur­tei­le und Ängs­te, Dis­kre­pan­zen und Inte­gra­ti­ons­bri­san­zen einer Mul­ti-Kul­ti-Gesell­schaft. Wer immer im Publi­kum nicht ems­län­disch aus­sah, wur­de nach sei­nen Wur­zeln gefragt. So waren auch Sprach­bar­rie­ren ein The­ma – habe doch nicht nur er „Früh­schop­pen“ für mor­gend­li­ches Ein­kau­fen gehalten.

Vor der Pau­se brach­te Bens­mann dann die ange­kün­dig­te Über­ra­schung wir­kungs­voll auf die Büh­ne, geschickt als Publi­kums­wunsch nach grö­ße­rem Ver­an­stal­tungs­rah­men ein­ge­lei­tet: eine Open-Air-Groß­ver­an­stal­tung der Klein­stadt­co­me­dy auf der Mep­pe­ner Frei­licht­büh­ne mit Platz für 2000 Zuschau­er statt für 600 Thea­ter­be­su­cher. Aller­dings warf ein Zuschau­er ein, man kön­ne doch das Mep­pe­ner Sta­di­on nut­zen, was Sven aber nicht aus dem Kon­zept brach­te. An der Base Drum sit­zend, ließ er die Men­ge laut­stark „Wir wol­len mehr, Klein­stadt­co­me­dy Open Air“ into­nie­ren und ließ dies auch gleich zu einem inter­ak­ti­ven Live-Spek­ta­kel auf Face­book wer­den. Das kam an.

Da der ange­kün­dig­te „Herr Schrö­der“ zeit­gleich in der NDR-Talk­show sei­ne Ein­bli­cke in sei­ne „World of Lehr­kraft“ gab, war in Mep­pen für ihn aus Trier Kevin Ray ein­ge­sprun­gen. Der 25-Jäh­ri­ge bewies ein­drück­lich und unter­halt­sam, dass auch „weni­ger ver­saut“ als bei sei­nen Vor­gän­gern durch­aus „die Post abgeht“, wenn es sich um die Tücken von Bett und Bezie­hun­gen und die „Black­box-Erin­ne­rungs­fä­hig­kei­ten“ von Frau­en dreht. Elo­quent wid­me­te er sich typisch männ­li­chen Sau­ber­keits­kri­te­ri­en und bekann­te aus­schwei­fen­de Fast-Food-Genüs­se, brach dabei aber eine Lan­ze für die Müt­ter – natür­lich nicht ohne Spitzfindigkeiten.

Nach Bens­manns gesun­ge­nen, poin­tier­ten Wit­zen, „phi­lo­so­phier­te“ der Köl­ner Come­di­an Tho­mas Schmidt über die Anfor­de­run­gen einer Tank­wart­aus­bil­dung und deut­sche Tank­ge­wohn­hei­ten – ein Über- oder Unter­schrei­ten einer „run­den“ Euro­sum­me um einen Cent gehe an die Schmerz­gren­ze. Auch er ließ der Schwär­me­rei für Mayon­nai­se und Sau­ce Hol­lan­dai­se frei­en Lauf.
Zum Pro­gramm­ende mit Jan (Kla­vier) und Janis (Schlag­zeug) herrsch­te bei all den Fans die­ses Gen­res längst schie­re Fes­ti­val­stim­mung, die auf­ge­heizt dar­auf war­tet, im Sep­tem­ber ihre Fort­set­zung auf der Mep­pe­ner Frei­licht­büh­ne zu finden.