Spielstadt Jam-City 2015 in Meppen: Alle Bilder online!

Wie fühlt es sich an, ein Erwach­se­ner zu sein? Das tes­ten gera­de 120 Mep­pe­ner Schü­ler in der Spiel­stadt Jam-City. In der Paul-Ger­hardt-Sport­hal­le bau­en sie sich von Diens­tag bis Frei­tag­mor­gen ihre ganz eige­ne Stadt auf – mit allem, was spä­ter in ihrem Leben dazu­ge­hö­ren wird. (Text: Mep­pe­ner Tages­post, Ann-Chris­tin Fischer)

Steu­ern zah­len, Rech­nun­gen beglei­chen, Geschäf­te eröff­nen und täti­gen, Ent­schei­dun­gen tref­fen. „Erwach­se­ne haben auch kein leich­tes Leben“, sagt Emi­ly Tem­pel und erklärt, wel­che Vor- und Nach­tei­le sie jetzt schon sieht: „Es ist anstren­gend, weil man viel zah­len muss. Als Kind bekommt man alles ein­fach so und als Erwach­se­ner muss man immer Geld dabei haben. Erwach­sen wer­den ist nicht ein­fach so gehopst und gesprungen.“

Sie sitzt bei der Sta­ti­on Bank, Ver­wal­tung und Arbeits­amt. Zusam­men mit Jonah Wulf, David Schnie­ders und Celi­na Lam­pe ist sie für das Geld wech­seln, Anträ­ge aus­fül­len und die Ver­wal­tung zustän­dig. Eines ist ihr direkt auf­ge­fal­len: „Also die­ses Steu­ern zah­len ist wirk­lich ner­vig, das soll­te man abschaffen.“

Die Mep­pe­ne­rin ahnt wahr­schein­lich noch nicht, wie vie­le Men­schen ihr da zustim­men wer­den. Trotz­dem sieht die Elf­jäh­ri­ge auch Vor­tei­le am Erwach­sen­sein: „Spä­ter kann ich selbst bestim­men, ob ich nach Mal­lor­ca oder Ita­li­en in den Urlaub fah­re. Jetzt darf man das noch nicht.“

Stich­wort Selbst­be­stim­mung. In der Jam-City ist jeder für sich selbst ver­ant­wort­lich und auch dafür, immer genug im Porte­mon­naie zu haben. Wer sich zuerst eine Waf­fel, dann etwas zu trin­ken, einen Besuch im Kino oder der Dis­co gönnt, hat für den Rest des Tages nicht mehr viel Jam-Geld zur Ver­fü­gung. Das ist die fik­ti­ve Wäh­rung, mit der in der Spiel­stadt alles bezahlt wird.

Im Beau­ty-Shop kön­nen sich die Klei­nen ihre Haa­re und Nägel machen las­sen, in der Fimo-Werk­statt bas­teln sie aus einer Model­lier­mas­se klei­ne Figu­ren, die im Ofen hart wer­den. Zu essen und trin­ken gibt es hier reich­lich: Im Star­bucks Café steht alles außer Kaf­fee zum Ver­kauf, in der Frucht-Oase lecke­re Smoot­hies, dazu stel­len die Schul­kin­der Waf­feln, Kek­se und klei­ne Kuchen her.

Knapp 25 Läden und Ein­rich­tun­gen haben sie inner­halb kur­zer Zeit auf die Bei­ne gestellt. Das alles machen sie zwar in Eigen­ver­ant­wor­tung, trotz­dem sind fast 50 Betreu­er vor Ort, die immer ein Auge auf die Vor­ha­ben der Fast-Erwach­se­nen haben.

In Koope­ra­ti­on mit der Mari­en­haus­schu­le für Sozi­al­we­sen hat die Jugend­pfle­ge Mep­pen die Spiel­stadt zum zwölf­ten Mal auf die Bei­ne gestellt. Mit-Initia­tor Kars­ten Stre­eck ist stolz: „Die Kin­der neh­men die Stadt sehr ernst und füh­len sich sehr wohl. Man merkt rich­tig, dass sie auf­blü­hen, und vie­le brin­gen ihre eige­nen Ideen mit ein.“

Genau das Gefühl hat­te auch Mep­pens Bür­ger­meis­ter Hel­mut Knur­bein, der Jam-City zum ers­ten Mal in sei­ner Amts­zeit besuch­te: „Sie machen sich Gedan­ken, brin­gen Ideen ein, wie man spä­ter Geld ver­die­nen kann und sind schon jetzt sehr rea­li­täts­nah.“ Außer­dem lob­te Knur­bein die vie­len ehren­amt­li­chen Betreu­er, denn sie machen die­se Tage erst mög­lich. „Es ist ein rie­si­ger logis­ti­scher Auf­wand und wie das hier gere­gelt wird, ist toll.“

24 ange­hen­de Erzie­he­rin­nen und Erzie­her sowie 20 Ehren­amt­li­che vom Mep­pe­ner Jugend­zen­trum Jam stell­ten seit den Som­mer­fe­ri­en das Pro­gramm für die Spiel­stadt zusam­men. „In der Nacht von Don­ners­tag auf Frei­tag über­nach­ten gut zwei Drit­tel hier in der Sport­hal­le, am Frei­tag ist dann um neun Uhr Schluss“, stell­te Kars­ten Stre­eck fest. Aber er ist sich sicher: „Da wir in die­sem Jahr in nur einer Stun­de alle Plät­ze belegt hat­ten, wer­den wir sicher­lich nächs­tes Jahr wie­der eine Spiel­stadt aufbauen.“